Immer mehr von uns Wohnmobilisten , ganz egal ob allein unterwegs oder mit einer großen Familie, haben mindestens einen Hund, wenn nicht gar mehrere Hunde, auf reisen dabei. Ich habe leider nirgendwo im Netz dazu eine Statistik gefunden, würde aber schätzen, dass mittlerweile mindestens in jedem 3. Wohnmobil ,ein Hund mit uns zusammen die Welt erkundet.

364 Tage im Jahr haben wir so eine fantastische Alarmanlage, unseren personal Trainer und besten Psychologen mit an Bord, doch da gibt es diesen einen Tag im Jahr…. diesen Tag an dem viele unserer vierbeinigen, besten Freunde uns fast vergessen,  einfach links liegen lassen vor lauter Panik und Angst ….  und dieser Tag nähert sich …….. SILVESTER !!!

Silvester, der Tag an dem viele unserer Hunde jedes Jahr aufs neue totale Panik schieben…. Sich, wenn es gut läuft, nur in eine Ecke verkriechen und dort zitternd abwarten bis es wieder ruhiger wird.  Wenn es aber schlecht läuft, vor lauter Panik unter sich machen, hektisch nach einem sicheren Ort suchen und man ihnen in den Augen ansieht, das ihr Herz bis Anschlag klopft.

Wie soll man mit so einem ängstlichen Hund umgehen, zuhause schon schwierig, aber ein guter Umgang im Wohnmobil, mitten im Winterurlaub… noch viel schwieriger ! Am einfachsten wäre es natürlich wenn man sich Hund und Womo schnappt und an einen Ort fährt an dem nicht geknallt wird, oder werden darf ( Naturschutzgebiete, große Gebiete an der Nordsee auf Grund der Reetdächer, in vielen Altstädte wegen der erhöhten Brandgefahr oder Orte die so weit weg “ vom Schuss “ (( Wort wörtlich 😉 )) liegen, das es einfach ruhig sein muss) . Aber nicht immer ist das so möglich, also was tun, wenn man einen sehr ängstlichen Hund hat, und man trotzdem mitten in einem Ort steht in dem Silvester “ der Mob tobt” ?

 

Silvester und Hunde Angst

 

 


Susan Behenna, zertifizierte Hundetrainerin

Susan Behenna, zertifizierte Hundetrainerin

Ich habe für IsasWomo mit Susan Behenna gesprochen, Susan ist zertifizierte Hundetrainerin, arbeitet in einer Hundeschule die nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes zertifiziert ist, besitzt ein abgeschlossenes Studium der Hundepsychologie mit Spezialisierung auf Hundeverhaltensberatung und belegte in den vergangenen Jahren zig Seminare, zwecks Weiterbildung,  bei angesehenen Hundetrainern wie Pedita Lübbe- Scheuermann, Pasquale Piturru, Pia Gröning,  Manuela de Silva, und  Martin Rütter um nur ein paar zu nennen… Sie ist momentan Besitzerin von 2 Hunden und ist dazu auch noch ,zusammen mit ihrem Mann, ” alt eingesessene” Wohnmobilistin .

Ok, ok “ alt” wieeeeee, schon von Kindheit an mit dem Womo unterwegs, KEINESFALLS “alt” wie”  alt “ 🙂 !!!!

Ihr seht , der Name Behenna steht beim Thema Hund jedenfalls für Ahnung ohne Ende , und ich bin “ tierisch stolz” das Susan meine Anfrage für ein Blog- Interview beantwortet hat und sich die Zeit genommen hat, diesen Beitrag mit mir zu erstellen. Wir beide kennen uns seit einem gemeinsamen Martin Rütter Seminar.

Dies als kleine Vorstellung vorweg, damit ihr wisst, wie unser Kontakt zustande kam, und mit wem ihr es in diesem Beitrag zu tun habt.

Susan, fangen wir mal ganz vorne an, warum gibt es überhaupt so viele Hunde die in der Silvesternacht so panisch reagieren ?

 

Das hat ganz viele unterschiedliche Gründe , die man teilweise auch gar nicht genau bestimmen kann.  Ein Grund ist sicherlich, dass unsere Hunde gar nicht nachvollziehen können, warum es plötzlich so knallt. Wir wissen , ok Silvester, aber unsere Hunde sind von den Geräuschen vollkommen überrascht, für unsere Tiere geht sprichwörtlich “ die Welt unter“ .

Dazu ist es so ,dass  Hunde deutlich besser hören als wir. Wir Menschen nehmen Frequenzen von 20- 20.000 HZ ( HZ = Herz = Schwingungen pro Sekunde) wahr , bei unseren Vierbeinern liegen diese Frequenzen deutlich höher und zwar zwischen 15.000 – 50.000 HZ.

Viele von Deinen Lesern kennen bestimmt die handelsüblichen “Hundepfeiffen”, die wir Menschen entweder gar nicht mehr hören können, oder nur als extrem hohes Pfeifen wahr nehmen. Für unsere Hunde ist dieser Ton aber sehr gut wahrnehmbar, weshalb diese Pfeiffen ja auch immer noch ihre Nutzer finden.

Dazu habe ich noch ein ,meiner Meinung nach, gutes Beispiel, um deinen Lesern zu zeigen wie extrem stark das Gehör unserer Fellnasen ist.

Wenn wir mit den Hunden quer Feld ein ,über “ Feld und Wiese” spazieren gehen, kennen ganz sicher viele Hunde Besitzer den Moment, in dem unsere Hunde plötzlich , aus heiterem Himmel, anfangen wie wild  zu “buddeln”, ohne das wir auch nur irgendwas am Boden erkennen. Tjaaaaa , in den Momenten schlägt ganz eindeutig das feine Gehör der Hunde unser eigenes. Wir hören zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich gar nichts (zumindest nichts besonderes), aber unsere Hunde haben schon lange die kleine Maus GEHÖRT (!!!) , die sich, einige cm unter uns, durch den Boden gräbt !

Als letztes ist es auch schlichtweg die “ Persönlichkeit“ unserer Hunde. Es gibt einfach Hunde denen machen diese knall Geräusche nichts aus, und andere reagieren auf das selbe Geräusch total panisch. Jeder Hund ist anders, und hat sein ganz persönliches Verhalten.

 

Bedeutet das also, dass 2 Hunde die gleich erzogen wurden, ganz unterschiedlich an Silvester reagieren können, und das wir Besitzer demnach auch gar nichts an der Situation ändern können?
Nein, ganz so würde ich es nicht sagen.

Aber in einem hast du recht, die “ Persönlichkeit“ eines Hundes wird immer “ durch scheinen“ , egal wie gut oder schlecht ein Hund erzogen ist . Ein ,von Grund auf ,eher ängstlicher Hund wird niemals ein Hund werden der plötzlich immer „vor weg geht“ und nie ängstlich erscheint. Aber so soll es ja auch sein, heut zu Tage brauchen wir keine “ gebrochenen“ Hunde mehr, unsere Hunde sollen im innersten genau so sein, wie sie sind. Jedes Training soll das Zusammenleben von Mensch und Hund vereinfachen, ohne die genetische Disposition, bzw. die des Hundes zu brechen!
Ich kann ja mal ein Beispiel von meinen eigenen Hunden anbringen. Vor vielen Jahren wohnten bei mir zuhause 2 Hundedamen. Eine mittel- alte Golden Retriever Hündin  und eine alte Schäferhündin. Beide haben die gleiche Ausbildung genossen und waren auch ca. auf dem selben Ausbildungslevel .
Die alte Schäferhündin ist in der Silvesternacht mit uns raus auf die Straße gekommen, und konnte von den Knallern und Raketen gar nicht genug bekommen, für sie war es “ der beste Tag im Jahr“ .  Und obwohl die ältere Hündin , die jüngere in gewissen Bereichen mit erzogen hat, saß unsere junge Golden Retriever Hündin, abwechselnd mit mir oder meinem Mann zusammen, panisch zu Hause in ihrer “ Höhle”, und kam so gar nicht mit diesen Silvester Nächten zurecht. Sie war allerdings auch schon tagelang vorher bei jedem “mini Böller” sehr erschrocken, ängstlich, panisch und auch noch nach Silvester eine ganze Zeit ziemlich mitgenommen.
Einziger Unterschied zwischen den Beiden, was “ die Erziehung” angeht, war die Zeit, die die Beiden bevor sie zu uns kamen, durchlebten.

Luzi ,die Schäferhündin, hat schon als ganz kleiner Welpe viel erlebt, und das Erlebte, egal ob sie es anfangs gut oder schlecht fand,  wurde mit vielen positiven Dingen bestätigt. Nelly, das Golden Retriever Mädchen, hatte diese positive Bestätigung NICHT (!!!) … sie kam deutlich später zu uns und Ihre Erfahrungen in den ersten Lebenswochen wurden nicht positiv bestätigt. So verknüpfte sie Erlebnisse, rund um solcher Art lauter Geräusche,  die sie vielleicht beim aller, aller ersten hören, nicht gerade toll fand, die ihr anfangs aber auch keinen riesen Stress bereiteten, mit immer mehr Angst.

Diese Angst schaukelt sich dann leider auch noch immer, immer weiter auf ( das ist wie die menschliche Angst vor dem Zahnarzt 🙂 ) !

Mittlerweile ist es so , das wir auch wieder 2 Hunde haben, allerdings ist unsere Nelly jetzt schon ein richtig altes Hundemädchen. Je älter sie wird, um so schlimmer wird ihre Angst bei lauten Geräuschen. Bedeutet, mittlerweile ist ihre Panik so groß, dass es nicht mehr nur die Silvesternacht ist, die Ihr Angst macht, sondern bei jedem lauten Geräusch wie Gewitter, Feuerwerk  oder bei jedem anderen lauten Knall, kann es passieren das wir eine “ Pfütze” in der Wohnung haben und Nelly panisch unter den nächsten Tisch flüchtet.

Auch wenn das jetzt eigentlich etwas zu weit führt, ist es mir dennoch ganz, ganz wichtig noch eines ganz deutlich zu betonen…

Unsere Hunde machen in diesen Situationen NICHT EXTRA (!!!) unter sich. Das hat also rein GAAAAAAR NICHTS mit “ Unsauberkeit , oder nicht Stuben rein sein” zu tun! Bitte, bitte liebe Leserinnen und Leser, macht nicht den Fehler eure Hunde in diesen Situationen zu bestrafen, oder mit Ihnen “ ein ernstes Wort” zu reden. Die Hunde fühlen sich durch ihre Angst eh schon ganz schlecht, dass was sie am wenigsten gebrauchen können ist noch mehr Stress! Wenn so ein Fauxpas geschieht, macht ihn weg und gut ist es… Bitte bestraft eure Hunde für dieses Missgeschick in so einer Situation nicht, aber genau so wenig “ bemuttert” eure Hunde besonders stark… Am besten ist wirklich ihr beseitigt ruhig und möglichst gelassen das Missgeschick, und fertig. Soviel dazu, etwas abseits des Themas.

Zurück zum Thema, so unterschiedlich sind auf jedenfall die Persönlichkeiten unserer Hunde, da macht man nichts.

Ob ein Hund also panisch reagiert oder nicht, liegt immer an seiner genetischen Disposition, mangelnder Habituation und an der jeweiligen Lernerfahrung. Da unterscheidet sich unser “Schnuffel”  gar nicht groß von den Menschen. Stehen wir Menschen plötzlich vor einer Situation die uns Stress bereitet, z.B einem Unfall , reagieren wir Menschen auch total unterschiedlich … Da gibt es “ die Macher” , die den Überblick behalten und sich nach und nach durch die “ Erste Hilfe arbeiten” , oder “ die Statuen”, die plötzlich erstarren und obwohl sie eigentlich wissen wie zu helfen ist, sie können sich nicht rühren, oder “ die Hysterischen” , die total hektisch werden, keine Luft bekommen und panisch zu schreien beginnen , oooooooooder es gibt die “ Dämlichen” , die laut lachend daneben stehen, nicht helfen und als erstes ihr Handy zücken ….. ( sorry letztes Beispiel von, Isa, 😉 )

Genau so unterschiedlich wie wir Menschen in diesen stressigen Situationen reagieren, ist es nunmal auch bei den Tieren

 

Ok, ich verstehe Susan, also ein ängstlicher Hund, bleibt in gewissen Situationen auch immer ein ängstlicher Hund. Aber was können wir Hundebesitzer tun, um unseren ängstlichen Hunden die Silvesternacht so erträglich wie möglich zu machen ?   

Ich selber höre immer wieder von Bekannten die ihre ängstlichen Hunde an Silvester allein lassen, das käme für mich persönlich bei Milla nie in Frage… So wichtig kann mir keine Silvesterparty sein. Bin ich zu “ hysterisch und besorgt“ oder ist es wirklich keine gute Idee einen ängstlichen Hund allein zu lassen ?

 

Naja Isa, das du manchmal etwas zu “ besorgt“ bist, ist ja kein Geheimnis , oder ? 😊😀😂 ( IIIIIIIIIIIIIIIIIIIICH ??! )

Andererseits sprichst Du da schon etwas ganz wichtiges an … Hysterie bringt im Umgang mit einem ängstlichen Hund gar nichts, ganz im Gegenteil, das macht die ganze Situation für einen Hund nur noch schlimmer!!!
Wir haben also die Situation, es ist Silvesternacht , und es geht auf 0 Uhr zu. Ich kann deine Leserinnen und Leser nur bitten, macht nicht den Fehler euch übermäßig um den Hund zu kümmern! Je “ wichtiger“ Frauchen oder Herrchen die Situation nimmt, um so “ besonderer“ wird sie auch für den Hund.
Es ist sicherlich eine gute Idee schon frühzeitig, also am Nachmittag, spätestens am beginn des Abends, für den Hund ein “ sicheres“ Plätzchen zu gestalten. Die aller, aller meisten ängstlichen Hunde lieben “ Höhlen“… Heißt, der Platz für den Hund an Silvester sollte nicht unbedingt “ frei“ mitten im Raum oder gar auf einer der Womo Bänke sein, sondern ein echter “ Rückzugsort“ .Das kann der Platz unterm Tisch sein, vorne in einer Ecke im Fahrerhaus , liegt der Hund sonst mit im Bett, kann man ihm auch da eine “ Rückzugsecke“ einrichten oder ich hab auch schon davon gehört das ein Hund besonders gerne im kleinen Womo Bad gelegen hat.
Es sollte nur ein Ort sein, der nicht mitten im Raum liegt, und ( ganz wichtig) wo der Hund  auch an ganz normalen Tagen hin und wieder liegt und sich wohl fühlt.

Nochmal ein Beispiel aus meinem privat Leben. Wir haben festgestellt, das sich Nelly in meinem kleinen Auto besonders sicher fühlt. Das heißt also tatsächlich, wissen wir vorher das es Nachts laut wird ( wie an Silvester) und sind wir nicht gerade selber mit dem Womo unterwegs, bringen wir Nelly ins Auto und bleiben mit unserem Nano dann im Hof , beim Auto stehen und beobachten von dort das Feuerwek.

Bei dir liegt Milla ja, soweit ich weiß , eh gern unter dem Womo Tisch, also bekommt sie da unten auch an Silvester ihre “ Höhle“ , samt ihrem Körbchen oder Decke “ eingerichtet”.

Was die Sache angeht ,einen ängstlichen Hund an Silvester ganz allein zu lassen,sorry, aber da halte ich auch gar nichts von. Hunde brauchen ihre Menschen, den Bezug zu ihren Menschen.

Wenn Wölfe, verwilderte Hunde oder ein Rudel Haushunde in eine gefährliche Situation kommen, rücken Sie automatisch näher zusammen.

Einen ängstlichen Hund an Silvester ganz allein zuhause, oder allein im Wohnmobil zu lassen, ohne das er / sie über den Abend hinweg Kontakt zu seinen Menschen hat, kann die Angst deutlich verschlimmer, und man darf sich nicht wundern wenn das Problem beim nächsten “ Krach” noch viel größer wird!

 

Gut, das heißt also ich bleibe an Silvester mit meinem Hund zusammen im Womo, habe ihr / ihm einen Rückzugsort “ eingerichtet” und warte jetzt gespannt auf 0 Uhr… 3,2,1 … Es geht los, Frohes Neues… und jetzt? Wie verhalte ich mich am besten, wenn es so richtig los geht?

 

Am aller, aller wichtigsten, ich kann es nur nochmal betonen, ist selber ruhig bleiben!

Macht nicht mehr aus der Situation als es ist !!!

Unsere Hunde beobachten und beschnuppern uns jeden Tag, immer wieder und über Stunde…und können uns dadurch GENAUESTENS einschätzen.

Jeder Hundebesitzer kennt Situationen wie diese: Der Hund liegt zuhause in seinem Körbchen, wir sind z.B in der Küche und hantieren dort schon ewig herum. Öffnen Schubladen und Schränke, schneiden und schnibbeln… Irgendwann denken wir, oooooch unser Hund liegt da so lieb seit Stunden, da hat sie/ er sich ein Leckerchen verdient… Und bevor wir irgendwas gemacht haben und noch bevor wir die knisternde Tüte Leckerchen in der Hand halten, steht unser Hund schon neben uns.

Wir strahlen unsere Gedanken immer schon vorab durch kleinste Gesten und oder Geräusche aus, und unsere Vierbeiner “lesen” diese ganz, ganz, genau.

Heißt also für Silvester, denken wir schon den halben Tag, es ist Silvester, hilfe, hilfe, hilfe, es wird geknallt, hoffentlich geht alles gut, ohhhhh du armer Hund, du tust mir so leid usw. usw.usw. , merken unsere Hunde ganz genau , irgendwas stimmt nicht , und werden immer nervöser. Es ist also am besten wir verhalten uns so normal wie möglich, machen es unserem Hund einfacher durch einen Rückzugsort, geschlossene Fenster und vielleicht einem laufenden Fernseher, aber bitte keine “ unnormale Fürsorge”.

Heißt also auch, wir sagen nicht schon um 22 Uhr zu unserem Hund, ohhhh du aaaaaarmmmeer Hund, gleich knallt es wieder so laut und wenn es denn “ los geht” , sitzt du z.B. Isa, nicht mit unterm Tisch und betüddelst deine Milla.  Ihr seit “ anwesend” für eure Hunde, aber das reicht auch, alles was ihr zuzüglich “ gut meint”, macht den Hund meist nur nervöser!

 

Ok, ok, ok …. Also wir machen den Rückzugsort klar, schließen die Fenster, lassen vielleicht TV oder Radio laufen aber ansonsten ist das Zauberwort “ENTSPANNT BLEIBEN“ !

Soweit, so klar….Mittlerweile gibt es ja von der Industrie viele verschiedene Dinge, die es einem ängstlichen Hund einfacher machen soll, Silvester gut zu ertragen…

Was hältst du von solchen Produkten?

 

Also erstmal muss man da grundlegend Unterscheiden um welche Produkte es sich handelt, sind es Medikamente die vom Tierarzt verschrieben wurden, oder sind es “ zusatz Produkte” aus dem normalen Handel.

Medikamente die vom Tierarzt verschrieben wurden können natürlich helfen. Aber dazu kann ich, so allgemein , wenig sagen, denn das ist Aufgabe des Tierarztes und dieser muss auch wissen ob es vielleicht Vorerkrankungen gibt ,die gegen ein Medikament sprechen oder, oder, oder…

Ganz im allgemeinen kann ich aber sagen das es extrem ängstlichen Hunden schon helfen kann, wenn sie etwas “ abgeschaltet” werden. Aber wie gesagt, das MUSS ein Tierarzt entscheiden. Ich kann nur allen Besitzern den Tipp geben, bitte möglichst Frühzeitig zum Doc zu gehen, denn mittlerweile gibt es auch Produkte die weniger stark wirken, dafür aber schon über einige Tage im vorraus gegeben werden müssen. Also bitte nicht erst “zwischen den Tagen “ zum Tierarzt rennen und es ist auch nicht von Vorteil einen fremden Tierarzt, der den Hund nicht kennt  z.B am Urlaubsort, aufzusuchen.

Dann gibt es noch Produkte die man mehr oder weniger das ganze Jahr über in den Zoohandlungen bekommt.

Angefangen bei den Thundershirts ….

So ein Thundershirt sieht aus wie ein “ Hundemantel” , allerdings aus einem festeren Stoff, ähnlich wie Neopren. Diese Shirts sollen auch (relativ) eng am Körper des Hundes sitzen, um ihm ein “ sicheres Körpergefühl” zu geben. Ähnlich wie eine dauerhafte, feste Umarmung. Klingt sehr  “komisch”, aber wenn man sich überlegt, das z.B Strassenhunde in Katastrophengebieten Schutz in den engsten und kleinsten Mauer Öffnungen , Abflussrohren oder Keller Vorsprüngen suchen ,kann man sich die “ Wirkungsweise “ dieser Shirts vielleicht etwas besser vorstellen.

Dann gibt es verschiedene Produkte die einen “entspannenden” Geruch verteilen sollen. Da sollte man unbedingt auf das richtige Produkt achten. Es gibt Halsbänder, Tabletten, Sprays und Zerstäuber ( z.B Adaphil), die enthalten D.A.P , ein Beruhigungshormon ( genau genommen ein Pheromon) das von der Mutterhündin kurz nach der Geburt gebildet wird. Dieses Hormon hilft dem Welpen sich an die vielen neuen Reize nach der Geburt zu gewöhnen, bzw. den Stress besser zu verarbeiten, und kann auch später einem gestressten Hund helfen sich zu entspannen.

Was ebenfalls gut helfen kann sind auf den Hund abgestimmte Bachblüten oder die bekannten “ Rescue Tropfen” . Ich selber habe früher meiner ängstlichen Goldie Hündin immer schon von Anfang Dezember an, Bachblütentropfen gegeben, und an Silvester selbst dann alle 4 Stunden.

Genau so gut können auch andere homeopatschische Dinge helfen, allerdings ist mein Rat , einen Tierhomeopathen mit hinzu zu ziehen. Gerade bei der Homeopathie kann es anfangs zu Verschlimmerungen kommen, darum sollte man mit diesen Dingen auf jedenfall frühzeitig beginnen.

Zur Vorbereitung werden auch immer wieder Geräusche CD erwähnt … Also eine CD, die ein Feuerwerkt aufgenommen hat, und die man zur Vorbereitung das ganze Jahr über immer wieder abspielen kann. Ob diese CD’s wirklich helfen können…. lass ich mal dahin gestellt…  Ich persönlich habe noch keinen Hund gesehen dem so eine CD hilft, vor allem Spielen im Zusammenhang mit Silvester ja auch andere Dinge eine Rolle, als der bloße Knall. Zum Beispiel die ganzen Gerüche die sowohl die Raketen und Knaller selbst verursachen, als auch die Gerüche der vielen aufgeregten Menschen auf den Straßen. Ob das so eine CD alles “ kompensieren” kann …. Ich bin mir da nicht sicher … aber wenn es nur einen Hund auf der Welt gibt dem so eine CD geholfen hat, hat das Produkt seine Berechtigung.

Bei allen Produkten kann man nie eine Garantie geben, das sie wirklich helfen. Ich habe schon Hunde gesehen die mit den erwähnten Produkten sehr gute Erfahrungen gemacht haben, aber genau so hab ich Hunde gesehen, denen es gar nicht geholfen hat. Die Wirkung ist von Hund zu Hund verschieden und kann nur nach und nach, für jeden Hund im speziellen, getestet werden.

Sicher ist bei allen Produkten aber eines, es spielt immer auch ein gewisser “ psychischer Gedanke” mit… Hat Frauchen oder Herrchen bei dem jeweiligen Produkt ein gutes Gefühl, die Halter glauben also voll und ganz an die Wirkung des Produktes und es stört den Hund nicht ,bzw. sein Verhalten ändert sich zum positiven, so hat das Produkt ( welches auch immer) sein Ziel voll und ganz erfüllt !

Denn im Grunde geht es bei allen Produkten nur wieder um Entspannung, “ ruhig bleiben” und das man dem Tier versichert, alles ist ok!

 

Also ich merke schon, nicht alle Produkte müssen helfen, sie können aber hilfreich sein. Es kommt einfach immer auf den einzelnen Hund an, ob die Dinge helfen oder nicht.

Hast Du denn ansonsten noch Tipps für uns, die Silvester für Hund und Halter “ einfacher” machen können?

 

Ja,denn ganz, ganz wichtig ist der gesamte Tag vor der Silvester Nacht !

Das bedeutet, es wird jedem Hund helfen die Nacht besser zu “ verarbeiten”, wenn er vorher ausgepowert wurde. Das heißt, ich schnappe mir am frühen Nachmittag meine Hunde , auch die sehr ängstliche ,alte Retriever Hündin,  und fahre mit dem Auto und den Hunde an einen Ort an dem tagsüber nicht schon geknallt wird, bzw. das Risiko das dort geknallt wird, ist sehr gering. Ich denke jeder hat solche Orte in seiner Umgebung , und sollten Deine Leser am Urlaubsort nicht genau wissen wo sie solche Orte finden, kann sicherlich der Stell/ Campingplatz Betreiber helfen.

Und dann gehe ich  lange mit den Hunden spazieren, veranstalte apportier – und kleine such Spiele und immer wieder zwischendurch ein paar Übungen zum Grundgehorsam ( Sitz, Platz, Steh, Bleib, Fuß) . So sorge ich dafür, dass die Hunde so richtig ausgepowert werden… Wichtig… Nicht nur körperlich, auch die geistige Auslastung ist wichtig, dafür eignen sich diese “ Leckerchen such Spiele” bestens!

ABER , und das ist jetzt ganz, ganz wichtig (!!!),  bitte die ängstlichen Hunde IMMER an der Leine lassen!!!

Für sehr ängstliche Hunde gibt es spezielle Brustgeschirre, aus denen sich der Hund nicht herauswinden kann.

Eine Schleppleine eignet sich für solche Gelegenheiten bestens, ich kann eh jedem Halter nur empfehlen mindestens eine 10 m Schleppleine für jeden Hund zuhause/ oder im Wohnmobil zu haben. So hat der Hund einen großen Bewegungradius, aber sooooollte doch mal ein Knaller in der nähe los gehen, hat man den Hund immer noch unter Kontrolle! Es gibt leider immer wieder Hunde die gerade am Urlaubsort vor Angst , Aufregung oder weil sie einfach einen starken Jagdtrieb haben, weglaufen und sich in der fremden Umgebung nicht mehr zurecht finden! Wenn dann auch noch eine kalte Silvester Nacht folgt, kann das in einer Katastrophe enden! Passiert leider viel zu oft, darum auch den best erzogensten Hund, an den Silvester – Tagen bitte IMMER angeleint lassen !!!

Wenn es dann wieder zurück nach Hause geht, sollten die Hunde abends nicht zu schwer bzw. so viel Futter bekommen. Vielen Hunden schlägt der Stress an Silvester auf den Magen, und niemand braucht einen Hund dem schlecht ist, oder noch schlimmer, der Durchfälle bekommt, das könnte ein echtes Problem werden!

Darum, bitte nicht “ nichts geben” , aber eine etwas kleinere Portion, tut es an Silvester auch.

Dann geht es für meine beiden Hunde so gegen 21 Uhr noch ein letztenmal raus , WIEDER NUR MIT LEINE (!!!) und danach kehrt Ruhe ein.

Susan privat, mit ihren zwei Hunden Nelly und Nano

Susan privat, mit ihren zwei Hunden Nelly und Nano

Einen letzten Tipp habe ich noch für Deine Leser. Silvester mit Hund muss nicht bedeuten ,dass man unbedingt alleine im Womo oder zuhause hocken muss, um sich um den Hund zu kümmern.

Ich kann nur jedem Deiner Leser sagen, ladet euch Leute zu euch ein ! Es muss ja nicht die ganz große Party sein, aber einen schönen Abend kann man sich auch im kleinen Kreis, egal ob im Wohnmobil oder zuhause machen!  Gerade sehr ängstlichen Hunden kann es ungemein helfen, wenn an solchen Abenden ein 2. Hund mit dabei ist, der vielleicht etwas sicherer ist. Wichtig dabei ist nur, die Hunde müssen sich natürlich verstehen. Vor allem wenn sich alles auf einem kleinen Raum, wie dem Wohnmobil , tümmelt. Aber ganz ehrlich, Platz ist doch in der kleinsten “ Hütte”, und wenn man sich gemeinsam einen schönen Abend macht, kommt es nicht wirklich auf den riesen Platz des einzelnen an. 🙂

 

Klasse, vielen, vieeeeeeeelen Dank liebe Susan, dass Du uns so viele tolle Tipps gegeben hast, und auch ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert hast.

 

Bitte schön, sehr, sehr gern geschehen, es hat mir großen Spaß gemacht Deine Fragen zu beantworten und ich freue mich über jedes gute Hand+Pfoten Team !

 

Als Resümee kann ich wohl sagen… auspowern, leichte Kost ,ein entspanntes Frauchen bzw. Herrchen und vielleicht das ein oder andere Hilfsmittel, und Silvester kann kommen… auch für den ängstlichsten unter unseren Vierbeinern.

Vielen , vielen Dank

 


 

 

Es sind jetzt noch 6 Wochen bis wir ins neue Jahr starten und ich hab hin und her überlegt ob ich diesen Beitrag schon jetzt hoch lade, oder noch etwas warte, habe mich dann aber absichtlich dazu entschlossen dieses Interview schon jetzt hoch zu laden, denn noch habt ihr genug Zeit , euch und eure Hunde auf die Silvesternacht “vorzubereiten”.

Ich hoffe ihr könnt mit dem ein oder anderen Tipp etwas anfangen, und wir alle haben einen entspannten Rutsch ins Jahr 2016!

Ich danke Susan Behanna nochmals für ihre Zeit und ihr großes Engagement rund um diesen Beitrag!

Ich wünsche euch allen jetzt erstmal einen ganz schönen , gemütlichen und besinnlichen 1. Advent.

Bleibt oder werdet gesund !

Eure

Unterschrift IsasWomo